Paten

Streitschlichtung und Patenamt am Emsland-Gymnasium Rheine

Streitschlichter_2013

Auch in diesem Schuljahr werden wieder Mädchen und Jungen der neunten Klassen auf ihre Aufgaben als Streitschlichter und Paten für die neuen fünften Klassen des kommenden Schuljahrs vorbereitet.

1. Informationen zur Streitschlichtung

Konflikte sind normal und gesund, aber ein ungelöster Konflikt ist gefährlich. Notwendig ist ein positiver Umgang mit dem Begriff ?Konflikt?.
Häufig resultiert ein Konflikt eher daraus, dass die Parteien nicht wissen, wie sie ein Problem lösen können, als dass sie es nicht lösen wollten. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit der Vermittlung von Problemlösungskompetenzen.
Die an einem Streit Beteiligten können grundsätzlich bessere Entscheidungen über ihr Leben treffen als eine Autorität von außerhalb. Selbstverantwortliches Handeln wird gefördert.
Menschen treffen vollständigere und deshalb bessere Entscheidungen, wenn sie die Gefühle, die durch Konflikte entstanden sind, bewusst wahrnehmen und in die Entscheidungen integrieren. Förderung von empathischen Fähigkeiten.
Die Beteiligten einer Übereinkunft halten sich eher an Bestimmungen, wenn sie selbst für das Ergebnis verantwortlich sind und den Prozess, der zur Übereinkunft geführt hat, akzeptieren. Mitwirkungsprozess erhöht Akzeptanz.
In der Streitschlichtung wird der Grundsatz des Gewinners bzw. Verlierers aufgehoben, zugunsten eines Profits für alle Konfliktparteien. Win-win-Prinzip, heißt keine Verlierer, zwei Gewinner.
Als Gegenmodell zu strafenden Maßnahmen trägt das Streitschlichter-Programm somit auch zur Entlastung des Lehrpersonals von Kontroll- und Sanktionsaufgaben bei.
Schülervermittlung von sozialen Kompetenzen, Kooperation sowie Konfliktfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit.

2. Ziele der Streitschlichtung

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Mit Hilfe von Streitschlichtern sollen die Konfliktparteien Lösungen finden, die von allen Seiten als Gewinn angesehen werden:

  • Ein Streit wird ritualisiert und kultiviert ausgetragen
  • Auf der Beziehungsebene wird die Dialogfähigkeit wieder hergestellt. Die Streitschlichtung unterstützt die Konfliktparteien bei der Darstellung ihrer ganz persönlichen Sichtweise und Wünsche
  • Auf der Inhaltsebene wird eine faire, tragfähige Vereinbarung ausgehandelt, mit der beide Seiten dauerhaft zufrieden sind.

Mit Hilfe der Streitschlichtung kommt es zu einer Entlastung des Kollegiums, insbesondere der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer.

3. Grundsätze des Streitschlichtungsverfahrens

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Allparteilichkeit ? Der Streitschlichter begegnet allen Konfliktbeteiligten in gleichem Maße mit Respekt, Wertschätzung und Empathie.
Freiwilligkeit ? Grundlegende Voraussetzung für das Gelingen einer Streitschlichtung ist eine freiwillige Teilnahme aller Streitparteien. Das Erarbeiten einer einvernehmlichen Lösung ist nur dadurch zu sichern.
Selbstverantwortung ? Die Teilnehmer einer Streitschlichtung bleiben für das Ergebnis selbst verantwortlich. Ein Streitschlichter wird weder Expertenratschläge geben, noch einen ?Schiedsspruch? verhängen. Er ist in der Sache neutral, aber verantwortlich für den Streitschlichtungsprozess.
Vertraulichkeit ? Eine Streitschlichtung ist vertraulich und nicht öffentlich. Alle Beteiligten verpflichten sich zur Verschwiegenheit.
Zukunftsorientierung ? Die Streitschlichtung schaut zwar zunächst auf das ?Gestern?, um die Konfliktursache zu verstehen, verhandelt aber dann im ?Heute?, um eine einvernehmliche, tragfähige Lösung für die ?Zukunft? zu suchen.
Win-Win ? In der Streitschlichtung wird das Paradigma des Gewinners bzw. Verlierers aufgehoben, zugunsten eines Profits für alle Konfliktbeteiligten.

4. Ausbildung der Streitschlichter und Paten

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Jeweils 12 Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse werden ein Jahr lang 14tägig in einer Doppelstunde durch Frau Wennemer-Heitjan auf die Streitschlichtung und das Patenamt in den fünften Klassen vorbereitet.
Die Ausbildung endet mit einem Zertifikat.
Die Tätigkeit der Streitschlichter und Paten wird durch regelmäßige Treffen und Gespräche von Frau Wennemer-Heitjan betreut.

5. Inhalte der Ausbildung

Die folgenden Inhalte verstehen sich als verbindliche Mindestanforderungen, die Liste ist also nicht abschließend gemeint. Ergänzungen können z.B. notwendig werden auf Grund aktueller Besonderheiten der Klassen- oder Schulsituation, bzw. der Befindlichkeiten und Fähigkeiten der auszubildenden Schüler.

Grundlagen:

  • Kommunikation, Gesprächstechniken
  • Kooperation
  • Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung
  • Konflikt-Verständnis
  • Eigenes Konflikt-Verhalten
  • Eisberg-Modell
  • Gefühle erkennen und benennen lernen
  • Wahrnehmung von Mimik, Gestik, Körperhaltung und Betonung
  • Entwicklung von Perspektiven

Streitschlichtung- (Mediations-)prozess:

  • 5 Phasen der Streitschlichtung ( Mediation)
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Neutralität (Allparteilichkeit)
  • Kooperationsfähigkeit ausbauen in der Gruppe der Streitschlichter
  • Wahrnehmung von Prozessen bei der Streitschlichtung
  • Grenzen der Streitschlichtung

Patenamt:

  • Gestaltung und Durchführung von Einheiten zum gegenseitigen Kennenlernen
  • Aufstellen von Klassenregeln
  • Informationen zur Funktion des Klassensprechers
  • Wahl der Klassensprecher
  • Vorstellung des Schulgebäudes
  • Erläuterungen zum Schulalltag: Vertretungsplan, Klassenbuch
  • Ansprechpartner für die Fünftklässler in den großen Pausen
  • falls gewünscht, Begleitung auf den Wandertagen der fünften Klassen
  • Durchführung von Klassenmediationen
  • Mobbingintervention “No Blame Approach”

6. Ansprechpartner bei Konflikten

Konfliktparteien können die Klassenpaten, alle ausgebildeten Streitschlichter, die in jeder zweiten großen Pause anwesenden Streitschlichter und Frau Wennemer-Heitjan ansprechen
Die Streitschlichtung findet im dafür eingerichteten Raum statt.

Erfahrungen früherer Streitschlichter

"Die Ausbildung hat uns zu einem guten Team werden lassen"

“Die Ausbildung hat uns zu einem guten Team werden lassen”

"Mir fällt es leichter, mit anderen Menschen umzugehen und mich in neuen Situationen zurecht zu finden.?

“Mir fällt es leichter, mit anderen Menschen umzugehen und mich in neuen Situationen zurecht zu finden.?

?Ich kann die Gefühle und Stimmungen meines Gegenübers leichter erkennen und mich besser in andere Personen hinein versetzen.?

?Ich kann die Gefühle und Stimmungen meines Gegenübers leichter erkennen und mich besser in andere Personen hinein versetzen.?

"In den Doppelstunden haben wir viel gelernt und hatten Spaß dabei."

“In den Doppelstunden haben wir viel gelernt und hatten Spaß dabei.”

"Ich gehe Streitenden nicht mehr aus dem Wege, da ich gelernt habe, positiv Einfluss zu nehmen.? ?Das Gelernte hilft mir auch bei Konflikten im privaten Bereich.?

“Ich gehe Streitenden nicht mehr aus dem Wege, da ich gelernt habe, positiv Einfluss zu nehmen.?
?Das Gelernte hilft mir auch bei Konflikten im privaten Bereich.?

7. Literaturliste

  • Achtsamkeit und Anerkennung. Materialien zur Förderung des Sozialverhaltens in der Grundschule. Hg. von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Köln 2002.
  • Besemer, Christoph: Mediation. Vermittlung in Konflikten. 2. Auflage. Darmstadt 1994.
  • (Überlick über Inhalt, Wesen, Ablauf usw. der Mediation; gut, um in die Thematik einzusteigen).
  • Bundesverband Mediation e.V.: Materialsammlung zur Mediation an Schulen, herausgegeben von: Weißer Ring, Bundesgeschäftsstelle: Weberstr. 16, 55130 Mainz, Fax: 06131-830345, http://www.weisser-ring.de/.
  • Hauk, Diemut: Streitschlichtung in der Schule und Jugendarbeit. Das Trainingsbuch für Mediationsausbildung. Matthias-Gründewald-Verlag. Mainz 2000
  • Jefferys-Duden, Karin: Konfliktlösung und Streitschlichtung. Das Sekundarstufenprogramm. Beltz-Verlag. Weinheim 2000.
  • Le Febre, Dale N.: best of new games. Faire Spiele für viele. Verlag an der Ruhr. Mülheim 2002.
  • Walker, Jamie (Hg.): Mediation in der Schule. Konflikte lösen in der Sekundarstufe I, Cornelsen Verlag Skriptor. Berlin 2001.