Stolpersteine

Stolpersteine gegen das Vergessen

Einigen dürften sie bekannt sein: Die “Stolpersteine”, die in vielen deutschen Städten an die in der Zeit des Nationalsozialismus deportierten und ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern.

Diese Steine sind meist im Straßenpflaster vor den Häusern zu finden, in denen die Menschen vor ihrer Deportation gelebt haben. Allerdings stolpert der aufmerksame Fußgänger nur im übertragenen Sinne: denn auf den Steinen sind die wichtigsten Lebensdaten der entsprechenden Personen in Messing gehauen.

In Rheine sind die ersten “Stolpersteine” am 21. April 2004 von dem Kölner Künstler und Initiator der Aktion, Gunter Demnig, am Gymnasium Dionysianum und am Emsland-Gymnasium gesetzt worden. Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 unserer Schule und die Abiturientia 2004 haben die Kosten für die “Stolpersteine” aufgebracht, die an zwei ehemalige jüdische Mitschülerinnen erinnern sollen, die von den Nationalsozialisten umgebracht wurden:

stolperstein2Lilo Berliner, geboren 1918 in Rheine, wohnte im Haus Poststraße 17 und besuchte unsere Schule, bis sie mit ihrer Mutter in die Niederlande emigrierte, wo beide in Deventer ein Café betrieben. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande besetzt hatte, wurden Tochter und Mutter zunächst in das von den deutschen Besatzern errichtete Durchgangslager Westerbork verschleppt und später in das KZ Auschwitz verlegt, wo sie am 30.9.1942 bei der 8. “Sonderaktion” des Arztes Dr. Kremer umgebracht wurde. Bei den “Sonderaktionen” handelte es sich um medizinische Experimente, bei denen ausgehungerte Häftlinge getötet wurden, um ihnen unmittelbar danach “lebendfrische” Gewebeproben aus Milz, Bauchspeicheldrüse und Leber zu entnehmen.

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Ruth Mendel wurde 1920 in Schüttorf geboren, zog mit ihren Eltern nach Rheine und wohnte im Haus Münsterstraße 15. Ruth besuchte unsere Schule, die damals “Städtisches Lyceum Rheine” hieß. Im Jahre 1938 verzog die Familie zunächst nach Essen, um im November 1938 in die Niederlande zu emigrieren. Hier heiratete Ruth Mendel und wurde Mutter; 1943 wurde sie mit Mann und Kind in das Durchgangslager Westerbork verschleppt, wo sie umkam.