Vier Kollegen verlassen das Emsland-Gymnasium und hinterlassen tiefe Spuren

Die deutsch-französischen Beziehungen – Verdienst auch pädagogischer Arbeit

 Kurz nach Gründung der ersten deutsch-französischen Städtepartnerschaft erblickten in regelmäßiger Folge von 1952 bis 1955 mit Hildegard van Ackern, Magdalene Geilmann, Elke Johnen und Reinhard Tappe vier neue Erdenbürger das Licht der Welt. Sie hatten zunächst nichts miteinander zu tun.

Die Römischen Verträge waren seit sechs Jahren beschlossen, als Adenauer und de Gaulle 1963 den Élysée-Vertrag unterzeichneten und das Deutsch-Französische Jugendwerk begründet wurde. In der Zeit wechselten die o.g. Vier aufs Gymnasium oder standen kurz davor. Und als unter Willy Brandt und Georges Pompidou 1972 die Idee der Bilingualität geboren und die ersten drei deutsch-französischen Gymnasien gegründet wurden, nahmen Hildegard van Ackern, Magdalene Geilmann, Reinhard Tappe und Elke Johnen allmählich ihr Studium auf. Was nun die vier verbindet: Alle hatten sie auch Romanistik gewählt. Und alle fanden nach ihrem Referendardienst und Berufsstart den Weg zum Emsland- Gymnasium; Hildegard v. Ackern und Magda Geilmann drei Jahre vor dem bewegenden Handreichen 1984 zwischen Mitterand und Kohl zum Gedenken der Opfer von Verdun; Elke Johnen kam zum Fall der Mauer 1989 und zwei Jahre vor Gründung des ersten deutsch-französischen Senders Arte dazu. Das Glückskleeblatt komplettierte 2009 Reinhard Tappe, als mit Angela Merkel zum ersten Mal eine deutsche Bundeskanzlerin als Gast Sarkozys den Feierlichkeiten zur Beendigung des Ersten Weltkrieges beiwohnen durfte.

Eine nicht immer glückliche Einstellungspraxis seitens der Behörde führte seinerzeit dazu, dass die Fachschaft Französisch deutlich überbesetzt war, was wiederum dazu führte, dass die Kollegen überwiegend in ihren anderen Fächern eingesetzt wurden: Hildegard Ackern in Erdkunde und Kunst, Magda Geilmann in Mathematik, Elke Johnen in Deutsch und Praktischer Philosophie und Reinhard Tappe in Pädagogik. Die Kollegen waren für ihre Sachkompetenz geschätzt und ihre Art zu unterrichten bei ihren Schülern beliebt, denn sie haben sehr gern unterrichtet. Elke Johnen hat es auf den Punkt gebracht: „Ich war seit 1989 bis 2017 am Emsland die jüngste Französischlehrerin – und gleichzeitig eine der ältesten.“

Die vier Pädagogen haben am Emsland Spuren hinterlassen durch ihr vielfältiges, über die Anforderungen des Schulalltages weit hinausgehendes Engagement – sei es als  Leistungskurslehrer, Fachvorsitz, als langjähriges Mitglied der Schulkonferenz oder im Lehrerrat. Sie haben Klassen-, Wander- oder Studienfahrten und Exkursionen organisiert und durchgeführt. Besonders verdient gemacht hat sich v. Ackern mit der Organisation des Austausches mit Bernburg seit 1991 oder Wroclaw (Polen) seit 1998 und als langjährige Gleichstellungsbeauftragte.  Elke Johnen zeichnete sich jahrelang verantwortlich für die Leitung der Schülerbücherei, die sie nicht nur mit aufbaute, sondern die ihr auch als Veranstaltungsort für viele verschiedene kulturelle Veranstaltungen diente. Nachdem Magda Geilmann jahrelang mit hohem Einfühlungsvermögen den täglichen Vertretungsplan erstellt hatte, übernahm sie die  Koordination der Oberstufe. Sachverstand und absolute Schülerbezogenheit machten ihre Arbeit überaus erfolgreich. Besonders  für die drei Letztgenannten aber gilt: Sie haben sich mit großem Engagement für ihr Fach Französisch eingesetzt,   indem sie für den Erhalt seines Stellenwertes im Kanon der anderen Fremdsprachen gekämpft haben, jahrzehntelang Austausch und  Begegnungen mit Frankreich forcierten oder unzählige DELF-Diplome verliehen haben.

Man sollte nicht vergessen: Was in der Politik manchmal symbolisch mittels Abkommen oder Verträgen festgeschrieben wird zugunsten einer stabilen und freundschaftlichen Beziehung, wird in den Schulen der Länder vorbereitet und ermöglicht in oft mühevoller alltäglicher kleinschrittiger Arbeit. 2017: Macron ist gewählt, die französisch-deutschen Beziehungen könnten besser nicht sein -die vier Kollegen können sich beruhigt in den sehr verdienten Ruhestand verabschieden- zunächst privat mit einer soirée francaise und tags drauf passend am französischen Nationalfeiertag offiziell.